Programm
Mai 2012
PARTIZANSKI FILM
«Nach Deleuze gibt es neben der auf Gewohnheit beruhenden Wiederholung desselben auch eine andere Form der Wiederholung, die nicht dasselbe, sondern das Ähnliche wiederholt. Diese Form der Wiederholung verdrängt das Original; sie wiederholt und verschiebt gleichzeitig. Sie schafft ein Gedächtnis, das sich auf eine Vergangenheit bezieht, die niemals gegenwärtig war. In der Erinnerung werden Ereignisse wiederholt, die vorher nicht existierten, genau wie in einem immer auf Fiktion beruhenden nationalen Gedächtnis. Die unterschiedlichen Videoversionen von der „Schlacht an der Neretva“ zeigen, dass das Archiv seine ursprüngliche Macht zur identischen Bewahrung verloren hat. Die Macht der neuen Archive beruht dagegen auf der Veränderung und Modifikation des Films für unterschiedliche Interessen. Diese Adressierung beeinflusst die Zielgruppe ebenso wie sie neue Öffentlichkeiten konstituieren kann.» Hito Steyerl
So geben wir das Feld für die Re/inszenierung der Geschichte frei und stimmen ein in das Revival des sowjetischen/jugoslawischen Partisanenfilms. Der Idee des sozrealistischen Kinos als Bildungsinstitution setzen wir die Institution Programmkino entgegen, um die Verschränkung von Filmproduktion und nationaler Kultur, sowie der imaginären Produktion eines kollektiven Gedächtnisses selbst als historisch soziale Gegebenheit zu betrachten. Im Laufe der Zeit wird der Film durch äussere Einflüsse (durch Zerstörung der Filmstudios und Rekonstruktion oder Restaurierung des Filmmaterials, Montage, Übersetzung, Übertragung) verändert. Filmarchive, Eigentumsrechte, Filmkopien, Transformationsprozesse von Nationalstaaten sowie Kapitalinteressen sind die Faktoren, welche mitbestimmen, was dabei Teil des konstruierten Wissens sein wird.
Diese Filmreihe ist in Zusammenarbeit mit der AG-Film des Osteuropa-Forums Basel entstanden. Donnerstags gibt es eine Filmeinführung von StudentInnen des Slavischen Seminars.
So geben wir das Feld für die Re/inszenierung der Geschichte frei und stimmen ein in das Revival des sowjetischen/jugoslawischen Partisanenfilms. Der Idee des sozrealistischen Kinos als Bildungsinstitution setzen wir die Institution Programmkino entgegen, um die Verschränkung von Filmproduktion und nationaler Kultur, sowie der imaginären Produktion eines kollektiven Gedächtnisses selbst als historisch soziale Gegebenheit zu betrachten. Im Laufe der Zeit wird der Film durch äussere Einflüsse (durch Zerstörung der Filmstudios und Rekonstruktion oder Restaurierung des Filmmaterials, Montage, Übersetzung, Übertragung) verändert. Filmarchive, Eigentumsrechte, Filmkopien, Transformationsprozesse von Nationalstaaten sowie Kapitalinteressen sind die Faktoren, welche mitbestimmen, was dabei Teil des konstruierten Wissens sein wird.
Diese Filmreihe ist in Zusammenarbeit mit der AG-Film des Osteuropa-Forums Basel entstanden. Donnerstags gibt es eine Filmeinführung von StudentInnen des Slavischen Seminars.
Do 3.5. und Fr 4.5., 21h
Idi I Smotri - Komm und sieh
Von Elem Klimow, UdSSR 1985, 144 Minuten, OmU
Mit Aleksej Kravčenko, Olga Mironova, Lubomiras Lauciavicus, Buch: Ales Adamovič.
Der als Anti(kriegs)film deklarierte «Idi i smotri» erzählt die Geschichte von der Vernichtung des weissrussischen Dorfes Chatyn im Jahre 1943 - aus der Perspektive eines 14jährigen Jungen. Das Drehbuch beruht auf einem Buch von Adamovič, für welches vier Jahre lang in Belorussland mehr als 300 Überlebende befragt wurden. Die Atmosphäre und die Handlung des Films sind geprägt von Grauen. Insbesondere der Ton, als geräusch-musikalische Schicht (Klimov), bis hin zum dumpfen Tinnitusgeräusch verweist auf den Krieg und die menschliche Psyche. Ein Film mit LaienschauspielerInnen und rückwärtslaufenden dokumentarischen Aufnahmen, der eine differenzierte Geschichte der PartisanInnen beschreibt und somit der sowjetischen Geschichtsschreibung widerspricht.
„Verehrte Zuschauer, ich kann Ihnen nur das eine sagen: Bitte haben sie Geduld und trauen sie sich zu, die Augen nicht von der Leinwand zu lassen.“ Elem Klimov
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African Cinema - Bewegte Perspektiven. Diskussion nach dem Film.
Sa 5.5., 21h
O Heroi - The Hero
Von Zézé Gamboa, Angola 2005, 97 Minuten, OmU
Mit Makena Diop, Milton 'Santo' Coelho, Maria Ceiça
Nach über 20 Jahren im Kriegsdienst kommt Vitório hoch dekoriert aber verletzt nach Luanda und sucht einen Job. Trotz seines Status als Kriegsheld wird er in der aufstrebenden Stadt schlecht aufgenommen. Seine Prothese, für die er lange kämpfen musste, und seine Medaille werden ihm kurz darauf von einem jungen Waisen gestohlen - auch er ein Opfer des Krieges. Der Film erzählt nicht nur die Geschichte eines vermeintlichen Helden, sondern auch die Geschichte der Stadt Luanda, die gezwungen ist, Millonen von Menschen aufzunehmen, die durch Krieg und wirtschaftliche Umwälzungen vertrieben wurden.
O HEROI ist einer der ersten Spielfilme, die nach dem Jahrzehnte daurenden Krieg in Angola produziert wurden und gibt einen beeindruckenden Blick auf das Leben im heutigen Luanda.
Diskussion nach dem Film.
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Diskussion nach dem Film.
Do 10.5. und Fr 11.5., 21h
Ustanak u Jasku - Aufstand in Jasak
Von Želimir Žilnik, YU 1972, 17 Minuten, OV/d
Das kleine vojvodinische Dorf Jasak wird 30 Jahre nach der Gründung der Partisanenbewegung erneut zum Schauplatz verschiedenen (Kriegs)Aktionen.
Žilnik widmet seinen Film den individuellen Kriegserinnerungen und -interpretationen der echten Revolutionären, den Bauern, welche damals den Aufstand ins Leben gerufen haben.
Žilnik widmet seinen Film den individuellen Kriegserinnerungen und -interpretationen der echten Revolutionären, den Bauern, welche damals den Aufstand ins Leben gerufen haben.
Ratniče Voljno! - Krieger, weggetreten!
Von Krsto Škanata, YU 1967, 18 Minuten, OV/e
Ein Film über Dušan Mandić – 1942 wurde seine Familie in Bosansko Grahovo umgebracht und sein Haus niedergebrannt. Wie bestreitet er den Alltag 20 Jahre nach dem Kriegsende? Sein Schicksal steht pars pro toto auch für viele anderer ehemaligen Befreiungskämpfer.
Uzrok Smrti Ne Pominjati - Die Todesursache nicht erwähnen
Von Jovan Živanović, YU 1968, 79 Minuten, OV/e
Mit Bekim Fehmiu, Olivera Katarina, Velimir Živnojnović, Drehbuch: Branko V. Radičević.
Der 2. WK sät überall Tod und Zerstörung. In einem serbischen Dorf möchte der Färber seinem Volk in der Trauer helfen, es mit schwarzem Stoff beliefern. Der Tod ist aber schneller als der Färber, welchem es an Schwärze mangelt. Während er seine Reinheit und Unschuld trotz allem bewahren kann, wird seine Umgebung allmählich vom Hass erfasst. Diesen richtet sie nicht nur auf die Ursache ihres Schmerzen – die Faschisten – sondern auch auf ihren unschuldigen Mitmenschen.
Der Regisseur Jovanović schuf mit diesem poetischen Kriegsdrama einen der Meilensteine der sogenannten «Schwarzen Welle» (1962-1972), der Filmströmung, die wie keine andere das jugoslawische Kino revolutionierte.
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African Cinema - Bewegte Perspektiven. Konzert vor dem Film.
Sa 12.5., 20h
Story of a Beautiful Country
Von Khalo Matabane, Südafrika 2004, 79 Minuten, OV
In diesem Roadmovie begleiten wir den jungen Filmemacher Khalo Matabane auf der Suche nach dem verheissungsvollen neuen Südafrika. Die Aufnahmen sind mit der Handkamera vom Rücksitz eines Minibus-Taxis aus gemacht und zeigen einerseits die Schönheit eines Landes, das auch zehn Jahre nach dem Umbruch noch die Narben der Apartheid trägt. Andererseits ist das Taxi auch Begegnungsort und eine Plattform für Diskussionen über brennende Themen wie die Landfrage, Rasse, Sprache, Globalisierung, Demokratie, Identität und Gewalt. Der Film vermittelt die Hoffnungen und Träume der Jugend im neuen Südafrika und wird von einem grossartigen Soundtrack untermalt.
Vor dem Film wird der südafrikanische Trompeter Marcus Wyatt, der die Filmmusik verantwortete, mit seiner Band Africans in Space einige Stücke aktuellen südafrikanischen Jazz zum Besten geben. Marcus Wyatt ist im Mai 2012 Artist in Residence des bird's eye jazz club in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Afrikastudien Basel. Info: www.africanmusic.unibas.ch
Konzert: 20:00
Film: ca. 21:00
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Konzert: 20:00
Film: ca. 21:00
Do 17.5. und Fr 18.5., 21h
Bitka Na Neretvi - Die Schlacht an der Neretva
Von Veljko Bulajić, YU 1969, 174 Minuten, Donnerstag: 35mm, deutsche Synchronfassung DEFA; Freitag: ab DVD, 166 Minuten, OV/e
Mit Curd Jürgens, Yul Brynner, Hardy Krüger, Franco Nero, Orson Welles, Sylva Koscina und Sergej Bondarčuk
Die vierte der insgesamt sieben Antipartisanen-Offensive war ein unter dem Decknamen „Fall Weiss“ getarnter strategischer Plan des Deutschen Reichs für einen gemeinsamen Angriff der Achsenmächte auf die jugoslawischen Partisanen. Die legendäre „Schlacht an der Neretva,“ die für die Partisanen den Wendepunkt des Befreiungskampfes darstellte, ist in der jugoslawischen Geschichtsschreibung vor allem auch wegen ihrer Humanität, als die „Schlacht für die Verwundeten“ bekannt.
Bulajić setzte mit seinem Film ein „zelluloides Denkmal“ für den Partisanenkampf. Das grösste jugoslawische Kriegsfilmspektakel wurde mit einem internationalen Staraufgebot realisiert und 1970 als bester fremdsprachicher Film für den Oscar nominiert.
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Do 24.5. und Fr 25.5., 21h
Valter Brani Sarajevo - Valter verteidigt Sarajevo
Von Hajrudin Krvavac, YU 1972, 129 Minuten, OV/e
Mit Velimir Živnojnović, Rade Marković, Ljubiša Samardžić
Gegen Ende des 2. WK ziehen sich die deutschen Truppen zurück und versuchen vergeblich Benzin zu beschaffen. Das deutsche Kommando plant eine aufwendige Operation, um Benzinvorrat für den Rückzug zu organisieren. Ein Untergrundkämpfer aus Sarajevo macht den Faschisten einen Strich durch die Rechnung...
Wer ist Valter? - diese Frage zieht sich durch den ganzen Film. Valter brani Sarajevo ist ein Partisanenfilm in James-Bond-Manier, welcher nicht nur im ehemaligen Jugoslawien einen Kultstatus hatte, sondern auch ausserhalb des Landes: Insbesondere in der Volksrepublik China, wo das Abbild des Hauptdarstellers die chinesische Biermarke „Valter“ ziert.
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Kurzfilmabend - Programmdownload (pdf): kurzundknapp.ch
Sa 26.5., 21h
Kurz & Knapp 18 - Saisonfinale
88 Minuten
Hier ist der Trailer
Das erfolgreiche Kurzfilmprogramm, das jungen FilmemacherInnen eine Plattform und FilmliebhaberInnen einen kurzweiligen Abend bietet. Diesmal mit:
FINDING UHU von Zeno Georghiu Martin Wohlgensinger Denis Haramincic, CH 2011, 3'55"
TUSSILAGO von Jonas Odell, Schweden 2010, 15'
PEOPLE SAY IT ALL THE TIME von Young Enterprise, England 2009, 8'
BORDERLINE von Dustin Rees, CH 2011, 7'
MATADOR ON THE ROAD von Alexis Morante, Spanien 2011, 16'
DER EWIGE TOURIST von Lorenz Suter, CH 2011, 24'
STUCK IN A GROOVE von Clemens Kogler, Österreich 2010, 4'10"
MAST BROTHERS von Brennan Stasiewicz, USA 2010, 8'48"
SUMMER SNAPSHOT von Ian McCluskey, USA 2010, 10'28"