Programm | neues kino Basel  NEU: Unsere gescannten Plakate/Fliers in der Plakatsammlung 

September 2026
Blickachsen - Körpergrenzen

Unser Filmprogramm hinterfragt den Blick auf den menschlichen Körper und dessen Handlungsspielräume. Denn Körper, Identität und Macht sind eng miteinander verwoben. Durch visuelle Doppelungen, Masken, Make-up und voyeuristische Blickachsen verhandeln die gezeigten Filme gesellschaftliche Normen. Von der künstlichen Existenz über den erzwungenen Rollenwechsel bis zur totalen Selbstinszenierung wird die Leinwand hier zum Spiegel von Begehren, Kontrolle und Rebellion. Auf diese Weise öffnet sich ein Raum, in dem gängige Sehgewohnheiten hinterfragt und gesellschaftliche Machtstrukturen sowie menschliche Verwandlungen sichtbar gemacht werden.
Do 3.9. und Fr 4.9., 20h30
Pink Flamingos
Von John Waters, USA 1972, 94 Minuten, E/d
Divine sprengt als "flamboyanteste Person der Welt" jede bürgerliche Norm. Durch exzessives Make-up und extreme Verkleidungen wird der Körper zur subversiven Waffe. Der Film erschüttert starre Gender-Rollen und feiert die radikale Selbstbestimmung abseits gesellschaftlicher Kontrolle. Identität ist hier kein Schicksal, sondern eine lautstarke, anarchische Performance, die Machtstrukturen einfach weglacht.
Do 10.9. und Fr 11.9., 20h30
Blade Runner
Von Ridley Scott, USA 1982, 118 Minuten, E/d
Was macht den Menschen zum Menschen? In Ridley Scotts Science-Fiction-Meisterwerk kämpfen künstliche Replikanten um ihre Identität und  Handlungsmacht. Ihre Körper sind eine Ware, ihre Erinnerungen implantiert. Durch das Motiv des Sehens und der Doppelung von Mensch und Maschine hinterfragt der Film, wer die Macht über das eigene Leben besitzt, wenn die Grenze zwischen Natur und Künstlichkeit verschwimmt.
So 13.9., 18h30 - Wieder im Programm! Freier Eintritt/Kollekte.
No Other Land
Von Yuval Abraham+Basel Adra, Palästina/Norwegen 2024, 95 Minuten, Arabisch/deutsche+französiche Untertitel
Die Filmpremiere an der Berlinale hat in den deutschen Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Weshalb? In Masafer Yatta, einem Gebiet südlich der Stadt Hebron im besetzten Palästina, wehrt sich eine Gruppe, die sich «Youth of Sumud» nennt, mit gewaltfreien Mitteln gegen die andauernde Enteignung von Land und der ethnischen Säuberung des Gebiets zugunsten jüdischer Siedlungen samt Truppenübungsplatz der israelischen Armee. Aus der Zusammenarbeit des israelischen Friedensaktivisten Yuval Abraham und dem Palästinenser Basel Adra ist ein Film entstanden, der den stetigen Kampf gegen gewalttätige Siedler und die israelische Armee dokumentiert. Es ist die wahre Geschichte zweier Freunde, welche in diesen Tagen die politischen Eliten und ihre eingebetteten Berichterstatter in Rage bringt. Sehenswert, gerade deshalb!
Do 17.9. und Fr 18.9., 20h30
Corpus
Von Anna Byskov+Nika Timashkova+Tobija Stuker, Schweiz/Frankreich 2026, 12 Minuten, E
Der Film untersucht Körperwahrnehmung, Normierung und die Verknüpfung von Identität und Gesicht. Ausgehend von Phrenologie und früher Kriminologie verbindet er historische Diskurse mit heutigen Technologien wie Gesichtserkennung. Er thematisiert die Spannung zwischen Individualität und Entpersonalisierung und hinterfragt, wie Körper durch Systeme der Identifikation kontrolliert, kategorisiert und normiert werden.
Gefördert vom Fachausschuss Film und Medienkunst BS/BL und Grand Est.
Rear Window
Von Alfred Hitchcock, USA 1954, 112 Minuten, E/d
Alfred Hitchcocks Klassiker ist das ultimative Lehrstück über den voyeuristischen Blick. Der mobilitätseingeschränkte Protagonist kompensiert seinen Verlust an körperlicher Handlungsmacht durch obsessive Beobachtung. Der Blick wird zum Instrument der Kontrolle, während sich Geschlechterrollen im Spiel von Sehen und Gesehenwerden verschieben. Ein Vexierspiel um Macht, Raum und Begierde.
Mi 23.9., 20h30
Between Worlds - Musicians as Subjects of Migration
Schweiz 2026, 60 Minuten
BETWEEN WORLDS untersucht die Bedeutung des Anderen und Fremden in Zeiten neuer Grenzziehungen und die Rolle von Künstler*innen als Akteure des Wandels. Entstanden aus einer ortsspezifischen Performance und einem Workshop im Valle Antigorio (IT), erforschten Studierende des Studiengangs Musik und Szene in Transformation (HSM Basel) und der PH FHNW Migration und Grenzüberschreitungen und schufen einen experimentellen Musik-Performance-Film.
Ergänzend zum Screening wird es eine Live-Musikperformance geben.
Performer*innen: Rino Murakami, Miriam Paschetta, Barbora Jirásková, Agnes Leclaire, Svetoslav Stoychev, Severin Weinmann, Irina Olshevskaia, Alena Verin-Galitskaia, Irene Miguel Auría, Tymoteusz Schodowski, Jongsung Myung, Petra Valtellina, Luca Jan Zeller, Antonina Hoffmann, Chaoming Ko, Elena Hischier, Jan Majewsky, Mary Stilzenbach, Timm Kornelius; Gastdozent Matthias Klenota (Professur für Kulturvermittlung & Theaterpädagogik)
Do 24.9. und Fr 25.9., 20h30
Holy Motors
Von Leos Carax, Frankreich/Deutschland/Belgien 2012, 116 Minuten, F/d
Leos Carax schickt seinen Protagonisten auf eine Tournee der Metamorphosen. Zwischen Schönheit, Mode, Groteske und Absurdität wechselt er ständig Körper und Identitäten. Der Film hinterfragt radikal, was "normal" ist. Durch die ständige Doppelung und das Ausagieren von Rollen wird der Körper zum Schlachtfeld zwischen gesellschaftlicher Normierung und der absoluten, teils schmerzhaften Freiheit der Kunst.
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