Oktober 2026
Doppelgänger
Seit jeher verbinden wir unsere Identität sehr stark mit unserem Aussehen. Es ist die äusserliche Zurschaustellung unserer Einzigartigkeit. Was aber, wenn wir gar nicht so einzigartig sind, wie wir dachten, sondern doppelt oder mehrfach existieren? Sei dies als biologischer Zwilling oder Klon, als Imitator, der scheinbar mühelos in unsere Haut schlüpfen kann, oder als unerklärliche übernatürliche Erscheinung? Das Doppelgängermotiv hat seit jeher die Phantasie von Schriftstellern, Künstlern und später auch Filmemachern angeregt. Gerade für Schauspielerinnen und Schauspieler ist es auch reizvoll, total unterschiedliche Persönlichkeitsfacetten in einer Doppelrolle ausleben zu können. Aus dem reichen Fundus von Doppelgängerfilmen zeigen wir eine kleine Auswahl, die andeutet auf wie viele verschiedene Arten dieses Thema ausgeschöpft werden kann.Do 15.10. und Fr 16.10., 20h30
A Different Man
Von Aaron Schimberg, USA 2024, 112 Minuten, English/d
Edward (Sebastian Stan) ist an Neurofibromatose erkrankt. Die sorgt unter anderem für Tumorwachstum im Nervengewebe und in der Folge wie bei Edward etwa zu erheblichen Gesichtsdeformationen. Weil Menschen grausam sein können, ist Edward viel zu oft nicht nur angewiderten Blicken, sondern auch verachtendem Spott ausgesetzt. Er zieht sich deshalb immer weiter zurück und ist regelrecht isoliert von anderen Menschen und der Welt. Als er sich jedoch mit seiner Nachbarin Ingrid (Renate Reinsve) anfreundet, die genau wie er Schauspielerin ist, keimt in ihm ungeahnt neue Hoffnung. Denn das Leben mit seiner Krankheit führt häufig dazu, dass er sich ausgeschlossen und einsam fühlt. Eines Tages bekommt er die Möglichkeit, durch einen riskanten rekonstruktiven Eingriff Normalität zu erlangen. Edward zögert nicht lange und ergreift die Chance, ein Leben ohne Urteil und aufdringliche Blicke zu führen. (filmstarts.de)
Die Ironie dieser Doppelgängerstory besteht darin, dass der Protagonist zunächst seine ungeliebte Identität ablegen kann - nur um im Anschluss daran erneut damit konfrontiert zu werden. Und plötzlich scheint ihm sein Doppelgänger in allen Belangen den Rang abzulaufen. Trotz Kritikerlob und einer Oscarnomination für bestes Make Up ein wenig untergegangen (unter anderem ohne regulären Kinostart in der Schweiz), hat sich der Film zu einem echten Geheimtipp für Fans von leicht schwarzhumorigen Psychothrillern entwickelt. Auf keinen Fall verpassen!
So 18.10., 18h30 - Wieder im Programm! Freier Eintritt/Kollekte.
No Other Land
Von Yuval Abraham+Basel Adra, Palästina/Norwegen 2024, 95 Minuten, Arabisch/deutsche+französiche Untertitel
Die Filmpremiere an der Berlinale hat in den deutschen Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Weshalb? In Masafer Yatta, einem Gebiet südlich der Stadt Hebron im besetzten Palästina, wehrt sich eine Gruppe, die sich «Youth of Sumud» nennt, mit gewaltfreien Mitteln gegen die andauernde Enteignung von Land und der ethnischen Säuberung des Gebiets zugunsten jüdischer Siedlungen samt Truppenübungsplatz der israelischen Armee. Aus der Zusammenarbeit des israelischen Friedensaktivisten Yuval Abraham und dem Palästinenser Basel Adra ist ein Film entstanden, der den stetigen Kampf gegen gewalttätige Siedler und die israelische Armee dokumentiert. Es ist die wahre Geschichte zweier Freunde, welche in diesen Tagen die politischen Eliten und ihre eingebetteten Berichterstatter in Rage bringt. Sehenswert, gerade deshalb!
Do 22.10. und Fr 23.10., 20h30
Dead Ringers
Von David Cronenberg, Kanada/USA 1988, 115 Minuten, English/d
Nichts scheint die erfolgsverwöhnten Zwillingsbrüder Elliot und Beverly Mantle trennen zu können. Sie teilen sich von der lukrativen Arztpraxis bis zu ihren Geliebten alles. Doch in Wahrheit sind beide weit unterschiedlicher als der erste Eindruck vermuten lässt. Elliott ist der extrovertiertere, der die Forschungsarbeiten Beverlys zu seinem Vorteil ausnutzt und dem eher introvertierten Bruder sogar seine Freundinnen überlässt. Diese ahnen aufgrund der Ähnlichkeit nichts von dem Rollentausch. Eine Symbiose, wie sie stärker und verhängnisvoller nicht sein könnte. Als sich die Zwillinge mit der attraktiven Schauspielerin Claire einlassen, droht das fragile Arrangement der Beiden zu kippen, denn zum ersten Mal steht jemand zwischen ihnen ... (filmstarts.de)
Jeremy Irons brilliert hier in der Doppelrolle der so ähnlichen und doch so verschiedenen Zwillingsbrüder. Technisch trotz in den 80er-Jahren noch nicht vorhandener Computertricks brillant umgesetzt, fasziniert das Zusammenspiel mit sich selbst auch noch heute. Und natürlich gehört bei Regisseur David Cronenberg das Hinabsteigen in die Abgründe der Psyche der Protagonisten eigentlich immer zum Programm.